E-Book-Produktion mit InDesign:
Ein Leitfaden

EDIT 20.3.2012: Im April 2010 habe ich den folgenden Artikel veröffentlicht. Im November darauf einen zweiten Teil des ePub-Leitfadens. Mittlerweile ist daraus ein komplettes Buch entstanden. Manche Infos im Artikel sind nicht mehr unbedingt aktuell. Wer sich also über aktuelle Techniken im E-Book-Bereich informieren möchte kann sich Yves Apels und mein Buch mal ansehen:

ePub für (In)Designer

[Der 2. Teil zu diesem Artikel befindet sich hier]

E-Books sind in aller Munde und seit der Vorstellung von Apple’s iPad hört man auch von iBooks, nicht zu verwechseln mit den einstigen Laptops von Apple. Bei Adobe wird ebenfalls Richtung digitale Inhalte entwickelt und 3rd Party Entwickler wie z.B. Woodwing, veröffentlichen Lösungen für digitales Publishing. Z.B. das Time-Magazine wurde damit fürs iPad vorbereitet. Wer ein iPad besitzt kann das Ganze hier runter laden.

Obwohl das traditionelle Buch noch immer seine Stellung hat im Markt, wird es zunehmend wichtig, vor allem als Verlag, hier etwas weiter zu denken und in Zukunft auch digitale Inhalte (zusätzlich) anzubieten. Und hier kommen wir Designer, Typografen und Mediengestalter auf die Bühne. Man kommt nicht mehr um das Thema rum und in den Foren liest man immer mehr davon.

Tools

Was bedeutet es nun, ein E-Book zu produzieren? Was ist das überhaupt und welche Tools brauchen wir da? Wer mit InDesign layoutet, hat eigentlich schon das wichtigste Tool, das es braucht für eine E-Book-Produktion. Und zwar gibt es hier den ePub Export (Export for Digital Editions). Digital Editions ist ein kostenloser E-Book-Reader von Adobe den man sich ruhig mal hier runter laden kann von deren Website. Das ist auch deshalb wichtig, um nachher das E-Book zu kontrollieren, ob alles so dargestellt wird wie es soll. Wobei, das mit der Darstellung bei E-Books jetzt anders ist als man es vom Print her gewohnt ist. Man muß sich daran gewöhnen als Typograf, nicht mehr die volle Kontrolle über die Darstellung des Textes zu haben. Blocksatz funktioniert meist nicht wegen fehlender Silbentrennung. D.h. man liest die E-Books i.d.R. auf E-Readern wie dem Sony Reader oder dem Amazon Kindle oder sogar auf dem iPhone. Klar, dass jedes Gerät anders ist und die Schrift überall verschieden aussieht.

Für diejenigen die mit dem Firefox Browser unterwegs sind empfiehlt sich das Add-on ePub-Reader. Dieser stellt das ePub-Format sehr gut dar und eignet sich ebenfalls zur anschließenden Kontrolle.

Für iPhone / iPodTouch und für den Computer gibt es die App Stanza von Lexcyle die sehr populär ist. Allerdings habe ich persönlich festgestellt, dass diese eine ePub-Datei am schlechtesten darstellt von den hier genannten …

Sehr interessant und als eBook-Publisher unbedingt installieren, sollte man das kleine Open Source Programm Calibre. Hierbei handelt es sich nicht nur um ein E-Book-Reader (der aber auch sehr gut ist), sondern um ein E-Book-Bearbeitungs-Tool. Man kann hier in diverse andere Formate konvertieren oder die Tags ändern, die Beschreibung, das Cover anpassen u.s.w. So kann man von hier aus auch z.B. ins MOBI-Format konvertieren. Das MOBI-Format wird vom Amazon Kindle u.a. unterstützt, das im Gegensatz dazu kein ePub-Format versteht. Allerdings wird das ePub-Format wohl die Zukunft sein und ist quasi Standard. Es bleibt abzuwarten, wie die Entwicklung hier voran geht. Umso besser da ePub bereits in unserem InDesign integriert ist.

Regeln beim E-Book Publishing mit InDesign

Jetzt geht es an die Praxis. Man sollte einige »Regeln« beachten wenn man eine E-Book-Publikation plant, damit das Buch nachher wie gewünscht exportiert wird.

1. Arbeiten mit Formaten

Auszeichnungen im Text werden beim E-Book nachher durch CSS-Stile definiert. CSS, die Cascading Stylesheets kennt man vor allem aus dem Webdesign. Hier verhält es sich ganz ähnlich. Das ePub das wir nachher exportieren ist im Grunde eine gezippte Datei die eine ganze Reihe von Ordnern und Dateien enthält. Eine HTML-Datei, eine CSS-Datei, eine XML-Datei, ein Ordner mit ev. Bildern u.s.w. Dazu später mehr. Schriften können beim ePub-Export zwar theoretisch mitgegeben werden, jedoch ist das nicht zu empfehlen da die meisten E-Book-Reader eigene Schriftsätze benutzen so dass man sowieso keinen Einfluss darauf hat. Außerdem wird dann die Schrift ins ePub exportiert und wer will kann die Schriften ganz einfach extrahieren durch entzippen der ePub-Datei. Es gibt also auch ein Rechte-Problem dabei …

Man sollte also konsequent mit Absatz und Zeichenformaten arbeiten. Jeder Auszeichnung, ob kursiv, fett oder sonstwas, sollte mit Zeichenformaten definiert worden sein. Ist das noch nicht geschehen, kann man einfach durch Suchen und Ersetzen allen Instanzen Zeichenformate zuweisen. Ein kursives Wort ohne Zeichenformat wird nachher vom Reader ignoriert. In CS5 gibt es zwar jetzt auch die Möglichkeit, lokale Formatierungen dabei zu beachten aber nach wie vor ist es anzuraten, schön sauber mit den Formaten zu arbeiten. Wem das Suchen/Ersetzen dabei zu lange dauert kann dabei auch auf ein Skript zurückgreifen. Hier stelle ich das Skript CharStyle bzw. CharStyle Extended vor, das sich für solche Zwecke hervorragend eignet.

InDesigns verschachtelte Formate funktionieren leider nicht! Um sowas ins ePub zu übertragen müssen die einzelnen Instanzen alle einzeln mit Zeichenformaten formatiert werden.

Nummerierte Listen und automatische Listen mit Aufzählungspunkten können verwendet werden. Am besten auch hier Absatzformate dafür erstellen.

2. Bilder verankern

Wenn in der Publikation Bilder vorkommen, müssen diese unbedingt im Text verankert werden. Die Bilder stehen sonst nachher willkürlich irgendwo aber nicht mehr beim entsprechenden Textteil. Z.B. am Ende des jeweiligen Kapitels. Gibt es eine Bildlegende, sollte diese mit dem Bild zusammen gruppiert und dieser Block dann im Text verankert werden. Der Abstand vor und nach dem Bild muß dann mit »Abstand vor« und »Abstand nach« eingestellt werden. Das Bild verhält sich wie eine Textzeile.

3. Seitenzahlen und Musterseitenobjekte

Das sind zwei Dinge die es beim E-Book nicht gibt. Seitenzahlen machen keinen Sinn weil die Seitenzahlen je nach Reader wechseln würden. Man kann im E-Book-Reader z.B. den Schriftgrad vergrößern, was besonders für Menschen mit eingeschränkten Sehfähigkeiten von Vorteil sein kann. Natürlich umbricht der Text ja in dem Fall anders und die Seitenzahlen würden nicht mehr stimmen.

Objekte die auf der Musterseite liegen werden für die ePub-Ausgabe nicht beachtet. Gibt es da Objekte die man trotzdem integrieren möchte, so muß man diese zuerst von der Musterseite lösen auf den jeweiligen Seiten. Das geht entweder manuell durch Klick mit Apfel (Strg) + Shift auf das Objekt oder via Menü des Seiten-Panels. Möchte man das auf allen Seiten tun, wählt man alle Seiten im Seitenpanel aus und wählt dann den Menübefehl »Alle Objekte von Mustervorlage abtrennen« (Override all Master Page Items).

4. Konsequente Textverkettung

Im E-Book ist der Lestext fortlaufend da es keine echte Seiten gibt so wie bei einem gedruckten Buch. Um den Textfluss zu erhalten sollten alle Textrahmen verkettet sein. Außer es fängt jetzt ein neues Kapitel an. Da muß der Textfluss sogar gebrochen werden.

5. Keine manuelle Trennungen und Zeilenschaltungen

Da es im E-Book keine Trennungen gibt mangels eines vernünftigen Trennprogramms, dürfen auch keine manuellen Trennungen vorhanden sein. Das einzige was geht, ist eine automatische Trennung die in InDesign mit Apfel (Strg) + Shift + – eingegeben wird. Im E-Book geschieht sonst sowas:

D.h. mitten im Satz gibt’s plötzlich eine Zeilenschaltung weil die Zeilen im E-Reader nicht so breit sind wie im Original …

Man kann ganz einfach über Suchen/Ersetzen diese manuellen Zeilenschaltungen suchen lassen und diese entfernen. Dazu suchen wir nach ^n und ersetzen durch einen Leerschlag:

6. Buch erstellen und Dokumente nach Kapitel aufteilen

Im E-Reader gibt es Funktionalitäten wie z.B. ein eigenes interaktives Inhaltsverzeichnis. Klickt man z.B. auf Kapitel 2, springt der Reader sofort an die jeweilige Stelle. Damit dies richtig funktioniert, ist es wichtig jede Sektion der Publikation in ein einzelnes Dokument zu stecken und das Ganze via Buch-Panel in InDesign verwalten. Wer die Buch-Funktion nicht kennt: Einfach Datei – Neu – Buch wählen und dann die Dokumente hier rein ziehen per Drag&Drop und richtig ordnen. Der ePub-Export nachher erfolgt auch aus diesem Buch-Panel.

Für jede Seite, die nachher auch eine separate Seite im E-Book werden soll (Deckel, Widmung, Titelseite, Impressum u.s.w.) muß auch ein eigenes Dokument im Buchpanel erstellt werden:

7. Abstände nur mit Abstand vor/nach

Um im E-Book Abstände zu kontrollieren, muß zwingend mit »Abstand vor/nach« gearbeitet werden. Doppelte oder mehrfache Zeilenschaltungen werden einfach ignoriert:

8. Fußnoten zu Endnoten

Fußnoten werden im E-Book zu Endnoten konvertiert. Da es keinen wirklichen Fuß der Seite gibt sondern der Text fortlaufend ist, können die Fußnoten nicht am Schluss der Kolumne stehen. Im E-Reader wir die Fußnotenzahl zum Link. Klick man drauf, springt man zur entsprechenden Endnote, die sich am Schluss des Kapitels einfach dran hängen. Hier ein Beispiel in Adobes Digital Editions:

9. Hyperlinks und Querverweise

Diese beiden können ruhig benutzt werden aber auch hier wieder: Links oder Verweise die zu einer bestimmten Seite springen, das funktioniert nicht. Auf dem Sony-Reader ist Seite 23 nicht gleich Seite 23 in Stanza auf dem iPhone u.s.w.

10. Tabellen

Tabellen aus InDesign werden zu XHTML-Tabellen konvertiert, jedoch nicht weiter formatiert. Das sieht nicht sehr schön aus:

Wenn man die Tabellen trotzdem formatieren möchte, bleibt nichts anderes übrig als die XHTML und CSS-Dateien zu editieren. Dazu muß man die ePub-datei entzippen und nachher wird zurückzippen (was jedoch nicht ohne weiteres funktioniert). Das ist also ein Punkt auf den wir in einer der nächsten InDesign-Version hoffen können (müssen).

Der Inhalt so einer ePub-Datei sieht enzippt z.B. so aus:

Ein Blick in die XHTML-Datei zeigt den Aufbau der Tabelle. Es ist wichtig in ID schon Tabellen- und Zellenformate zu benuttzen. Diese tauchen in der HTML wieder auf. Im Screenshot hier »tabelle« und » tabellenzellen«

In der CSS-Datei finden wir die vorgefertigte CSS-Klasse:

11. Metadaten ausfüllen

Schenkt man diesen in der Print-Produktion eher keine große Beachtung, so spielen die Metadaten in der digitalen Welt eine wichtige Rolle. Hier sollte man möglichst viele Felder korrekt ausfüllen. Wir finden diese nachher im E-Book wieder. Wir finden dieses Menü unter Datei – Datei Info (Apfel(Strg)-Alt-Shift-I.

Wichtig ist auch, diese Metadaten im allerersten Dokument betr. die Reihenfolge einzutragen. Bei einem Buch wäre das z.B. das Dokument mit dem Buchcover.

12. Inhaltsverzeichnis erstellen

In einem E-Book gibt es zwei Arten von Inhaltsverzeichnissen: Das Imnhaltsverzeichnis am Anfang des Buches, klassisch halt und dazu noch der Inhalt als Navigation, etwa an der linken Seite eines E-Book-Readers. Hier die »Navigation Map« von Digital Editions:

Man sieht die einzelnen Kapitel sowie Unterkapitel die durch ein Plus-Zeichen aufgeklappt werden können. Wie erstellt man nun so eine Navigation? Erst einmal ist es natürlich wichtig wie vorher schon erwähnt, jedes Kapitel in einzelne Dokumente aufzuteilen und in einer Buch-Palette zu verwalten (siehe Punkt 6).

Um eine Navigation zu erstellen, muß dann zuerst ein »TOC Style« erstellt werden im Menü Layout – Inhaltsverzeichnisformate (Table of Contents Styles)

Hier klicken wir auf »Neu« und können im nächsten Fenster definieren, welche Absatzformate für das Inhaltsverzeichnis benutzt werden sollen. Außerdem kann man so die Verschachtelungen erzeugen die nachher den aufklappbaren Pfeil ergeben.

Wichtig hier: Alle Dokumente des Buches mit einschließen!

Das war alles. Dieses definierte Inhaltsverzeichnisformat wird beim ePub-Export benutzt um die Navigation zu erstellen.

Wie erstellt man nun ein Inhaltsverzeichnis als Textseite z.B. am Anfang eines Buches? Dieses Inhaltszerzeichnis muß leider (bisher) manuell erstellt werden. Und zwar mit Hyperlinks die auf ein Textziel verweisen. Mit CS4 ist es auch möglich, Querverweise zu nutzen.

Hier ein Beispiel mit Hyperlinks: Zuerst muß ein Hyperlink-Ziel erstellt werden. Wir öffnen das Bedienfeld Hyperlinks im Menü Fenster – Interaktiv – Hyperlinks. Jetzt wählen wir den Text an den wir definieren möchten, z.B. den Titel des Kapitels auf das wir verlinken wollen und wählen dann im Kontextmenü des Hyperlinks-Bedienfelds »Neues Hyperlink Ziel« erstellen:

Wir gehen so für alle Kapitel vor die wir vorne in unserem Inhalt verlinken wollen. Der Vorteil ist eben, dass die Links nicht auf Seite soundso verweisen sondern auf eine bestimmte Textzeile. In unserem Inhalt doppelklicken wir jetzt unsere Zeile zum Verlinken und wählen aus dem Hyperlinks-Bedienfeld »Neuen Hyperlink erstellen«. Jetzt taucht in der Liste unser vorher definiertes Ziel auf:

ePub exportieren

Wenn wir das InDesign-Dokument sauber vorbereitet haben wie bis jetzt beschrieben, dann geht es so langsam an den Export. Eigentlich ist das der Einfachste Teil des Ganzen. Wir wählen aus dem Menü unseres Buch-Bedienfeldes (!) die Funktion: »Für Digital Editions exportieren«.

Es gibt hier 3 Einstellungsmenüs:

Die Metadaten sollten auf jeden Fall mitgegeben werden. Wie wählen »definierte Formate« da wir ja konsequent mit Absatz und Zeichenformaten gearbeitet haben. Die Schriften werden nicht mit eingebettet da 1. viele Reader die Schriften nicht nutzen können, 2. nur OpenType und TrueType funktioniert, PostScript nicht und 3. die Datei dadurch auch größer wird:

Das zweite Einstellungsmenü kümmert sich um die Bildoptimierung falls solche verwendet wurden. Wichtig ist auch noch das 3. Einstellungsfenster:

Hier kann man nämlich das vorher erstellte Inhaltsverzeichnisformat auswählen. Wir exportieren als Standard XHTML. (GTBuch ist eine Technologie für sehbehinderte und Blinde, funktioniert lange nicht auf allen Readern) Automatische Einträge für Dokumente unterdrücken sollte ausgewählt sein, sonst nimmt ID die Dokumentnamen für das Inhaltsverzeichnis.

Klammer auf: Wichtig ist auch noch dass das allererste Dokument das die Daten für das Inhaltsverzeichnis enthält die Quelle im Buch ist:

Wir sind am Ende dieses Leitfadens angekommen und haben ein E-Book erstellt mit Adobe InDesign. Ich weiß nicht wie’s euch geht aber das Thema ist doch sauspannend oder? ;-)

Erweiterte ePub-Bearbeitung

Wie geht’s weiter? Nach dem Export aus InDesign kann man vieles im ePub noch verfeinern. Dazu muß man das ePub auseinander nehmen. Wie das geht, beschreibt der zweite Teil des Leifadens.

Links und weiterführende Tipps

Making E-Books from InDesign von Gabriel Powell, Part 1 und Part 2 (kostenlose PDFs)

Videos ebenfalls von Gabriell Powell auf seinem Blog

How To von Adobe und hier und hier (PDFs)

Designing for Digital: What print-book designers should know about ebooks (Scribd Präsentation, Ausschnitt)

Adobe Max 2008 Video

Screencast von Terryl White über ePub und InDesign CS5

Das Buch von Liz Castro ist unbedingt einen Kauf wert sofern man mit Englisch gut klar kommt. Dann gibt es noch das E-Book von Rufus Deuchler.