Eindrücke von der Rheinwerk Online-Marketing Konferenz 2019

Letzten Donnerstag, am 16. Mai 2019, bin ich zur Rheinwerk Online-Marketing Konferenz nach Köln gefahren. Es war meine erste Konferenz zum Thema Online-Marketing nachdem ich früher als Mediengestalter eher Adobe, InDesign und Publishing Konferenzen besucht habe. Dieses Jahr wollte ich mindestens eine Konferenz in diesem Bereich besuchen und meine Wahl fiel eben auf die Rheinwerk Online-Marketing Konferenz des gleichnamigen bekannten Fachbuch-Verlags und soviel schon vorweg: Es hat mir sehr gut gefallen und ich kann mir vorstellen, nächstes Jahr wieder dabei zu sein.

Ich möchte in diesem Blogbeitrag meine Eindrücke ein wenig teilen, die Key Learnings aus den Beiträgen der wirklich hervorragenden Speaker. Los geht’s.

Rheinwerk Online-Marketing Konferenz 2019

Keynote Dr. Kerstin Hoffmann

Die Zukunft der digitalen Kommunikation – Strategien, Ängste, Prognosen

Ich hatte um Köln rum doch ein wenig Stau obwohl ich um 6 Uhr morgens schon los gefahren bin. Ich hab es aber dann schließlich genau rechtzeitig geschafft zur Keynote um 9.30 Uhr mit Dr. Kerstin Hoffmann (aka Pr Doktor). Die Eröffnungsrede war auch gleich sehr inspirierend und unterhaltsam und hat einige Trends aufgezeigt.

Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.

Sie fing bei ihrer Erzählung damit an, von ihrer Erfahrung aus Usbekistan zu erzählen und dass auch hier moderne digitale Plattformen genutzt werden, jedoch mit einer anderen Philosophie.

Wer Kommunikation macht, muß heutzutage gleichzeitig immer Trendforscher sein. Es wird immer wieder versucht, Prognosen abzugeben. Es gibt gefühlte Wahrheiten (Beispiel: Facebook ist auf dem absteigenden Ast), es gibt erfragte Wahrheiten (was denken Leite, wo’s hingeht) und es gibt gemessene Wahrheiten die sich aber nur auf Gegenwart und Vergangenheit beziehen können. 2001 hieß es »Das Internet wird kein Massenmedium«. Western Union meinte 1876: »Dieses Telefon hat zu viele Schwächen, als dass man es ernsthaft für die Kommunikation in Erwägung ziehen kann«. Oder Thomas Watson von IBM sagte 1943: »Ich denke, dass es weltweit einen Markt für vielleicht fünf Computer gibt.«. Oder Bill Gates 2004: »In zwei Jahren wird das Spam-Problem gelöst sein«. LOL. Fazit: Man kann sich nicht orientieren an offiziellen Studien oder Befragungen. Oft wird mit einer anekdotischen Evidenz gearbeitet (Wir wollen im Werbespot ein rotes Auto haben weil meine Frau mag rote Autos, also mögen alle Frauen rote Autos). Das ist weder eine Studie noch ein Beweis.

Print schrumpft unaufhaltsam. Das stimmt, heißt aber nicht dass Print obsolet ist. Es hängt immer von der Zielgruppe ab. Man muß es strategisch einbinden. Klassische Werbung kann man mehr und mehr vergessen und Mobile nimmt zu. Dann gibt es die KI (Künstliche Intelligenz) und die AR (Augmented Reality) wo wir erst ganz am Anfang stehen. Es ist schwierig zu prognostizieren wo es hin geht, aber wir wissen DASS es dahin geht.

Das schönste (witzigste) Beispiel für Zukunftsmusik – jedoch durchaus denkbar – kam ziemlich am Schluss: In 5 Jahren könnte unsere Unterwäsche merken wenn unsere Werte nicht stimmen und macht automatisch einen Termin beim Arzt, trägt das in den Kalender ein und bestellt das (ev. selbstfahrende) Taxi vor die Tür an dem Tag. Wenn man den Blick Richtung Silicon Valley wendet, so Dinge kommen und sind teilweise schon Realität.

Die Flut der Inhalte steigt kontinuierlich und man muß sichtbar und relevant bleiben, Aufmerksamkeit erreichen. Mittlerweile soll die Aufmerksamkeitsspanne eines Menschen kleiner sein als die eines Goldfischs und zwar 8 Sekunden. D.h. man muß heute schneller auf den Punkt kommen.

Plattformen kommen und vergehen. Z.B. Storify oder Flickr. Man weiß nicht was aus Facebook wird. Man sollte die ganze (Marketing) Strategie nicht nur auf eine Plattform ausrichten.

Ich bin jedenfalls Fan geworden und werde die Fachbeiträge von Frau Hoffmann in Zukunft mit Interesse verfolgen. Es gibt eine Fülle von super Infos auf ihrer Webseite.

Kennen Sie Ihre Online-Marketing Strategie mit Olaf Kopp

Olaf Kopp

Der Beitrag von Olaf Kopp von der Agentur Aufgesang GmbH startete mit einer Grafik die wir im Laufe des Tages noch ein paar Mal zu Gesicht bekamen und zwar diese: 

What happens in an internet minute in 2019?

Bild: LoriLewis & OfficiallyChadd

Die Grafik wird jedes Jahr aktualisiert. und wenn man sie vergleicht mit den Jahren zuvor, kann man seine Schlüsse daraus ziehen. Für 2019 wäre dies unter anderem, dass Plattformen wie Instagram und Netflix weiter wachsen während neue Kategorien wie Smart Speaker (Amazon Echo/Alexa und Co.) sehr schnell ein Fundament schaffen für die Zukunft. So war dann auch das Thema »Voice Search« zunehmend ein Thema auf der Konferenz das ich ein paar mal begegnete. Es heißt also Augen und Ohren offen halten. Bei Facebook Logins und Google Suche gab es nur geringfügigen Zuwachs. Die Anzahl der versendeten E-Mail ist ziemlich stagnierend und vielleicht zurückzuführen auf Collaboration Tools (ich bin Fan von Slack und neuerdings auch Basecamp). Snapchat verzeichnete einen Rückgang bei Millionen von Nutzern aufgrund des berüchtigten Redesigns.

Dann gab es eine weitere Feststellung die ebenfalls mehrmals an diesem Tag wiederkehrte, und zwar soll die Aufmerksamkeitsspanne des Menschen auf jetzt 8 Sekunden gesunken sein, während ein Goldfisch eine Konzentrationsspanne von 9 Sekunden aufbringt. Das soll eine Studie von Microsoft 2015 ergeben haben. Ob das nun so ist oder nicht, Fakt ist, in unserer schnellebigen Zeit müssen wir bei unserem Marketing möglichst schnell zum Punkt kommen und es soll klar sein über was wir kommunizieren wollen.

Weiter ging es mit Überlegungen zur eigenen Marketing-Strategie. Die Reichweite wie viele oft meinen, ist nicht so relevant. Was wichtiger ist, ist, Beziehungen aufzubauen und die Zielgruppe abzuholen. Dazu wurde der Begriff »Customer Journey« (Kundenreise) erläutert. Hiermit werden die einzelnen Etappen bezeichnet die ein Kunde durchläuft. Er muß ein gutes Benutzererlebnis haben. Das bezieht sich vor allem auf Shops bzw. Webseiten. Bei Aufgesang gibt es einen super Artikel genau zu dem Thema »Customer Journey« den ich hiermit verlinke. Als Musterbeispiel dafür zeigte Olaf die Seite von Hornbach.

Hornbach Customer Journey

Webauftritt von Hornbach.de: Hier wird mit Inhalten gepunktet.

Hornbach schafft es einfach, eine gute Seite aufzubauen mit vielen Inhalten zum Thema Wohnen. Ob es nun drum geht, ein Gartenhäuschen selbst zu bauen, Rasen zu legen, Parkett oder einen Gartenzaun zu bauen, auf Hornbach gibt es das How-To dazu mit den richtigen fachmännischen Anleitungen, gespickt mit Links zu den dazugehörigen Produkten im Shop. So soll es sein. Auch auf Hornbachs YouTube Channel gibt es sehr ausführliche Erklärungen und es wird ein großer Mehrwert geschaffen und es wird eine Kette geschaffen, eine Verbindung zwischen Storytelling, Know-How, Kurzinfos bis zum Verkauf. Man sollte sich eher fragen was der Kunde will und sucht. Man muß sich mit dem Kunden beschäftigen und ihn verstehen lernen. Man kann auch die Vertriebsmitarbeiter befragen zu den Kunden um mehr Einblicke in den typischen Kunden zu bekommen. Es ist wichtig online alles miteinander zu verknüpfen und intern zu verlinken um die Customer Journey zu erschaffen. 

Die Kunst des Storytellings im Social Web mit Anne Grabs

Anne Grabs

Beim Vortrag von Anne Grabs, Autorin des Bestsellers »Follow Me« ging es um das Geschichten erzählen. Dieser Vortrag fand oben auf der Empore statt und es waren Kopfhörer vorgesehen für die Zuschauer damit man auch akustisch alles gut mitbekommt weil man sonst teilweise von den anderen Bühnen noch was mitbekommen hat. Das war top von der Organiation geplant. Leider war ich etwas spät und hab keinen Sitzplatz mehr bekommen, deshalb war es etwas schwer Notizen zu nehmen. Deshalb kann ich mich jetzt im Nachhinein über diesen Vortrag leider nicht mehr so an Details erinnern. Deshalb wird der Bericht hierzu kürzer. Vielleicht ergänze ich wenn wir Teilnehmer die  Vorträge zugeschickt bekommen haben.

Die Aufmerksamkeitsspanne wird heutzutage immer geringer, oft nicht mehr als 8 Sekunden. Es gibt neue Formate, z.B. Hochkantvideos in Instagram Stories. Instagram TV usw.

Zwischenkeynote von Prof. Dr. Mario Fischer

Die Zwischenkeynote von Prof. Dr. Mario Fischer ging um KI (Künstliche Intelligenz) im Marketing und was man heute tun soll um morgen erfolgreich zu sein. Er hat den Bestseller Website Boosting geschrieben und hab mich daran erinnert dass ich ja seit einiger Zeit das gleichnamige Magazin abonnieren wollte.

Bei diesem Vortrag nach der Mittagspause – wo übrigens sehr gutes Essen serviert wurde von dem Catering Service Kaiserschote, was auch mal gesagt werden muß :) – ging es ganz dynamisch zu, der Herr Fischer ist ein guter Redner der mit viel Witz und vielen anschaulichen Beispielen begeistert. Da gab es z.B. die Kundenbefragung von Sky die ein Netflix Angebot integrieren wollten … das gab eine endlose Kette von Fragen, total am Nutzer und dessen Wünsche vorbei. Oder das Beispiel von der Bosch-Webseite wo die Waschmaschinen nach dem Modellnamen alphabetisch geordnet sind … 

Dann kam eine Demonstration wo Herr Fischer über Siri und danach über Alexa probiert einen Ledersessel zu bestellen über Sprachsuche. Dass wir dafür noch nicht fit sind hat man gut gemerkt an den Resultaten diese kleinen Experiments. Learning: sich mit SEO für Voice Search beschäftigen. Das wird (immer mehr) kommen.

Google arbeitet ebenfalls gerade an KI und wird wahrscheinlich noch dieses Jahr seinen Assistenten ausbauen. Szenario: Ich will einen Tisch für 2 heim Italiener für morgen abend bestellen. Ich sag meinem Google Assistenten Bescheid und der ruft selbständig im Restaurant an, tätigt die Reservierung und wenn alles geklappt hat, trägt er die Reservierung in den Google Kalender ein. In dem Google Video klappt das auch sehr gut. Die Frage ist, wie das nachher in der Wirklichkeit ist. Vor allem bei uns in Luxemburg, wo es total mehrsprachig zugeht, wird das richtig heftig für einen Sprachassistenten.

Google Assistant Restaurant

YouTube Link zm Video: https://youtu.be/-qCanuYrR0g

Fakt ist, das wird alles kommen, früher oder später. Momentan mag es noch nicht gut funktionieren, aber es wird jedes Jahr besser. 

Hier ist eine ähnliche Keynote von 2016 von Herrn Fischer die man sich mal geben kann.

Website Relaunch: Fehler finden und beheben mit Gianna Brachetti-Truskawa

Gianna Brachetti Truskawa

Der nächste Vortrag den ich mir angeschaut habe, war der von Gianna Brachetti-Truskawa eine SEO-Expertin aka Tentakellady die u.a. bei chefkoch.de und z.B. gofeminin.de Inhouse-SEO war bevor sie zu Bold Ventures gewechselt ist. Ich muß sagen, dass ich mir hier bei dem Thema Website Relaunch etwas anderes vorgestellt habe. Es ging hier eigentlich ziemlich technisch her und es wurde gar nicht von Usablility, Interfacedesign oder Redesign gesprochen sondern es ging eher um die technische Seite, was man alles beachten muß damit eine Seite bei einem Relaunch nicht abfällt in den Suchergebnissen der Suchmaschinen.

  • Es ging also los mit einigen Punkten die man beachten sollte wenn man einen größeren Relaunch plant. Da ist erst Mal der Blick in die Google Search Console. Hier sollte man auf die Google Bots Aktivitäten achten ob da noch alles normal läuft.
  • Die Robots.txt ist wichtig und muß angepasst und migriert werden.
  • XML Sitemap richtig einbinden und aktualisieren.
  • Tracking Pixel wie Facebook Pixel oder Google Analytics müssen migriert und angepasst werden.
  • Die Testumgebung für die Entwicklung der neuen Seite muß deindiziert werden. Man kann dazu auch eine Google-Suche starten mit dem Befehl: [site:meineseite.com -www]
  • Die Tech-Suchmaschine NerdyData wurde kurz vorgestellt.
  • Fehlerhafte Redirects müssen behoben werden und auch z.B. 404-Error Seiten.
  • Interne Verlinkungen müssen kontrolliert werden.
  • Wenn es Artikel oder Seiten gibt die super ranken, darf es nicht passieren dass diese nachher nicht mehr gefunden werden und dass Besucher der Webseite auf eine generische Seite weitergeleitet werden. Hier muß man auf die URL-Struktur aufpassen, auch und vor allem wenn man Dinge an der Navigation ändert und die URLs dadurch eine andere Struktur bekommen.
  • Wenn man einen Shop hat, muß man eventuelle Fehler im Kaufprozess aufspüren.
  • Um die eigene Site zu crawlen kann man auch das Tool Audisto nutzen.
  • Für SEO Analyse wurde Screaming Frog empfohlen.

Das waren in etwa die Hauptpunkte. Auch wenn ich mir den Vortrag anders vorgestellt hatte, kann man trotzdem was davon mitnehmen.

Google Ads-Strategien für Langstrecken-Läufer mit Guido Pelzer

Hier muß ich sagen, dass ich vom Vortrag leider nicht viel mitgenommen habe. Ich habe die Zeit eher genutzt um meine Social Feeds zu checken und erste Eindrücke zu instagrammen. Das große Dock war hier auch wirklich bei diesem Talk sehr spärlich besucht. Es ging um fortgeschrittene Einstellungen bei den Google Ads die mir aber nicht viel gesagt haben weil ich hier wohl noch leider nicht tief genug im Thema drin bin und noch nie auf diese Einstellungen getroffen bin bis jetzt. Jedoch habe ich Guido Pelzers Buch aufm Bürotisch stehen.

»Wie Content Marketing wirklich funktioniert« mit Andreas Berens

Andreas Berens

Nach exzellentem Kaffee und Kuchen ging es weiter mit Andreas Berens von The Untold / Stories4Brands. Es ging los mit einem Slide von einem Instagram Post von Madonna mit dem kolumbianischen Sänger Maluma und ihrer gemeinsamen neuen Single »Medellin«. Ziemlich zum gleichen Zeitpunkt macht Beyoncé ebenfalls Werbung auf Instagram für ihre neue Doku »Homecoming« auf Netflix. Es geht hier zwar um Beyoncés Coachella Konzert 2018, jedoch behandelt der Film nicht nur ihre Musik sondern hier wird noch eine ganze andere Story erzählt. Zum ersten Mal war eine schwarze Künstlerin Headlinerin des Coachella. Die Doku zeigt den emotionalen Weg von einem kreativen Konzept zu einer kulturellen Bewegung, einer Feier der Schwarzen, amerikanischen Kultur. Der Auftritt beinhaltete viele Anspielungen auf die Zeit der Rassentrennung und die historischen schwarzen Colleges und Unis. D.h.während der Madonna Post nur Promo für die neue Single ist, geht es bei Beyoncé um weit mehr und das berührt viel tiefer. Bei Madonna geht es um das Produkt, bei Beyoncé um den Mensch.

Madonna: Product, Price, Place, Promo –> Produkt
Beyoncé: Fan, Fortune, Fame, Fulfillment –> Mensch

Madonna Medellin Beyoncé Homecoming

Als Content Marketer muß man sein Warum finden (Purpose), also warum soll ein potentieller Kunde zu mir kommen? Es geht um Wertemanagement. Mücken z.B. erkennen sich an der Frequenz des Flügelschlags und finden so zueinander. Sie stimmen ihren Flügelschlag harmonisch aufeinander ab. Im Marketing geschieht das Magische ebenfalls wenn sich gleich und gleich gesellt. Spotify bietet z.B. schon länger Playlists an die sich an der Stimmung des Benutzers orientieren. Auch Voice Technologien wie Alexa können basierend auf der Stimmung des Nutzers andere Resultate ausspucken. Man muß man die Leute anders ansprechen als mit plumpen »Kauf-Mich«-Kampagnen. „Spread the Brand“ vs. Wertegemeinschaft.

Wie haben dann zwei Beispiel-Filme geguckt die ich selbst noch nicht kannte:

In der IKEA-Werbung die anderen Video vorgeschaltet wurde, küsst sich ein Paar. Nach ein paar Sekunden kommt ja dann immer die Nachricht dass man die Werbung jetzt überspringen kann. Man ist aber jetzt natürlich darauf gespannt ob das Liebespaar eventuell noch weiter geht. Irgendwann sagt die Frau in die Kamera: »Ist gut jetzt, Sie können die Werbung überspringen«. Wer das Video bis zum Schluss guckt, bekommt noch einige Szenen gespielt, aber nicht weltbewegendes. Dazwischen kommen immer kurz Einblendungen zu den IKEA-Produkten die in der Wohnung stehen. Das Video ging viral. 

Ikea – Where Life happens Ad

YouTube Link: https://youtu.be/cRn7gDwSsW4

Helping always beats selling

Es gab noch einen Buchtipp von Jay Baer mit dem Titel: »Youtility«. Die Frage: »Wie kann ich mein Produkt online interessante bekommen«, ist die falsche Frage. Denn man konkurriert in den sozialen Medien nicht mit anderen gleichartigen Produkten sondern gegen die viralen Videos, Katzenfotos usw. der Freunde und Familien unseres Kunden. Um also Aufmerkamkeit zu bekommen, muss man sich die Frage stellen: »Wie können wir helfen?«.

Das Thema »Teil einer Community werden« wurde sehr gut im Video von Dove aufgegriffen. Die Marke spielt immer gerne mit dem Thema »Natürliche Schönheit«. »Real Beauty Sketches« untersucht, wie andere uns wahrnehmen und wie wir uns selbst wahrnehmen. Ein paar Frauen werden vom FBI ausgebildeten Gerichtsmediziner Gil Zamora gezeichnet, einmal basierend auf ihrer eigenen Beschreibung und dann einmal anhand der Beschreibung eines Fremden die sie grad kennen gelernt haben. Die Ergebnisse sind überraschend denn die zweite Version ist immer schöner und glücklicher als wie man sich selbst sieht. Es kommen große Emotionen hoch beim Betrachten der jeweils beiden Porträts. Ganz zum Schluss wird nur kurz das Dove-Logo eingeblendet und der Satz: »You are more beautiful than you think«. Das ist Content der Kunden bewegt. 

Dove Beauty Sketches

YouTube Link zum Video: https://youtu.be/XpaOjMXyJGk

Nutzen Sie das volle Potential des Facebook Pixels mit Florian Litterst

Florian Litterst

Als nächstes setzte ich mir einen Talk über Facebook Ads von Florian Litterst von Adsventure.de aufs Programm wo es vor allem um den Facebook Pixel ging und dessen Einsatzmöglichkleiten. Vieles davon kannte ich zwar schon, aber egal. Ungefähr in der Mitte des Vortrags lenkte er die Aufmerksam kurz auf das unliebsame Thema DSGVO und ePrivacy. Jedoch waren diese Aussagen für mich nicht ganz klar und natürlich kann er als Nicht-Anwalt hier auch keine Empfehlungen abgeben, dennoch bin ich der Meinung dass es bei dem Thema ganz klar in die Richtung Optin geht. Facebook Pixel Tracking darf ziemlich sicher in Zukunft – wenn man es richtig und nach Vorschrift machen möchte – nur mit Cookie Optin passieren, also nur mit expliziter Einwilligung des Nutzers. Das ist für uns als Marketer natürlich gar nicht cool, müssen uns aber langsam dran gewöhnen und Vorkehrungen treffen. Siehe dazu auch meinen großen DSGVO Beitrag hier.

Einige Key Points aus dem Talk: Um Awarenesskampagnen zu starten also Aufmerksamkeit für die Marke kann man sehr gut mit Core Audience Lookalikes arbeiten. Dabei kann man Facebook beim Targeting sagen, es sollen Leut angesprochen werden die vom Profil her meinen bisherigen Fans auf der Seite gleichen. 

Facebook Lookalike Audience

Zielgruppe definieren: Beispiel für ein Targeting per »Lookalike Audience«

Es ist nicht so schwierig, den Facebook Pixel in die eigene Webseite einzubinden. Aber man braucht dazu den Facebook Business Manager. Im normalen Werbeanzeigenmanager geht es nicht. Facebook nimmt einen dann an der Hand und zum Schluss erhält man einen Code den man in die eigene Webseite einbinden kann (es gibt eine Anleitung dafür), oder man kann den Code sofort seinem Entwicklerteam übermitteln oder viel einfacher, man nutzt ein Plugin wie Pixelcoffein für WordPress. Für Woocommerce gibt es Pixelyoursite.com. man muß nur den Code den Facebook generiert rein kopieren.

Facebook Pixel erstellen

Um zu testen ob der Facebook Pixel auch funktioniert kann man das Chrome Plugin »Facebook Pixel Helper« nutzen.

Weitere Infos zum Vortrag würden den Artikel sprengen. Das kann schnell sehr komplex werden. Ich hab vor, in Zukunft was detaillierteres zum Thema zu schreiben, muß dazu aber noch einige Tests machen.

Growth Hacking mit Tomas Herzenberger

Als letzten Vortrag vor Feierabend hab ich mir mir den Talk von Tomas (ohne H) Herzberger angesehen. Ich hab dann erst gecheckt dass er der Autor des Growth Hacking Buches ist, das ich bei mir im Büro stehen habe. Er hat erst mal gefragt ob es Frankfurter im Publikum gibt und danach ob jemand Taucher ist. Ich glaub einer hat sich gemeldet und er hat »H(a)i« gesagt und mit der Hand überm Kopf ne Flosse geformt. Ich kenn den Witz von nem Freund der Taucher ist, aber ich glaub kaum einer hat den Witz verstanden ;-) Nicht schlimm.

Sent by my iPhone

Was ist Growth Hacking? Es sind kleine kreative Tricks die einem Unternehmen zu mehr Wachstum verhelfen können. Z.B. der kürzeste Hack der Geschichte ist wohl »Sent by my iPhone«. Bei Hotmail gab es früher z.B. auch unter jeder Mail »PS: I love you. Get your free e-mail at Hotmail.« Ein weiteres Beispiel ist Dropbox, die dem Nutzer gratis freien Speicher angeboten haben wenn man seine Freunde für die Plattform wirbt. Ein weiteres Beispiel ist die nahtlose gute Integration von Spotify in sozialen Netzwerken.

Growth Hacking bedeutet auch Dinge auszuprobieren und vielleicht mal etwas anders zu machen als klassisches Marketing. Man sollte aus Fehlern lernen die man macht. Dazu die Analogie mit dem Laufen lernen: Als kleines Kind fällt man immer wieder auf die Schnauze. Aber würde man da dann aufhören, weil man der Meinung ist, man habe kein Talent dafür, würde man nie lernen zu laufen. Also anstatt Leute die Fehler gemacht haben als Versager abzustempeln, ist es interessanter, aus ihren Erfahrungen zu lernen.

Newsjacking ist ein weiteres Mittel aus dem Growth Hacking Cosmos. Das bedeutet dass man Nachrichten aufgreift über die sehr viel geredet wird und sie abwandelt oder gebraucht für den eigenen Zweck. Paradebeispiel hierfür ist Sixt. Sie haben Newsjacking in Deutschland populär gemacht.

Viralität erzeugen. Man kann auch versuchen für sein Produkt sog. Ambassadors zu gewinnen. Also andere Leute, die das Produkt über ihre Kanäle bekannt machen.

Künstliche Verknappung ist ein psychologisches Mittel. Booking.com ist da das Musterbeispiel. Bei einer Hotelreservierung gibt es innerhalb kleinstem Raum viele psychologische Anreize: »Hervorragend bewertet«, »Gästefavorit«, »kostenlose Stornierung«, »zuletzt gebucht vor 4 Stunden«, »ohne Risiko«, »tolles Schnäppchen heute«, nur heute?? So geht es weiter, es wird also mit ein paar wenigen Worten so getan, als müsste man unbedingt schnell reservieren weil man sonst einen guten Deal verpasst oder alles ausgebucht ist.

Booking.com

Dann hat Tomas uns ein Beispiel gezeigt wenn man sich jetzt bei Facebook abmelden wollen würde. Facebook lässt einen nicht so einfach gehen. Es gibt einige Versuche doch noch zu bleiben oder wichtigen Freunden doch noch ne Message zuschicken bevor man geht. Ist also nicht so leicht sein Profil aufzulösen.

Der Decoy-Effekt: Angenommen, es gibt eine kleine Popcorn Tüte für 3 € und eine große für 7 €. Wahrscheinlich würde man sich für die kleinere preiswertere entscheiden. In einem Experiment meinten die meisten, dass 7 schon viel sei für Popcorn. Was aber wenn man jetzt eine Medium Größe dazwischen packt für 6 €? Resultat: die meisten nehmen dann die große Tüte für 7 € weil – nur 1 € Unterschied … ein Video gibt es hier auf YouTube. Man kann das Prinzip überall anwenden, z.B. bei Software-Preisen o.ä.

Brainstorming: Um Growth Hacks für das eigene Unternehmen zu finden kann man zusammen ein Brainstorming machen. Der Tipp hier ist, dass man auch mal Leute ins Brainstorming mitnehmen sollte von außen, oder die man sonst nicht mitnehmen würde ins Meeting.

Test, learn, repeat. 

Fazit

Nachdem ich noch die letzten 5 Minuten vom ePrivacy/DSGVO Vortrag von »YouTube Star« RA Christian Solmecke gesehen hatte (empfehlenswerter YouTube Kanal), kam es zum Ausklang bei einem guten Kölsch ehe ich gegen 19.45 Uhr die Rückreise nach Luxemburg antrat. Eine Bekanntschaft habe ich auf der Konferenz auch gemacht und konnte mich so noch ein wenig direkt über die Vorträge austauschen.

Noch voll im Marketing Fieber, lud ich mir für die Fahrt das Audiobuch »Contagious« von Jonah Berger runter um noch weiteren Input zu bekommen. Auf der Hälfte der Fahrt schaltete ich jedoch auf Musik um :) Ich kann mir sehr gut vorstellen, nächstes Jahr wieder dabei zu sein. Ein Datum das man sich fest in den Kalender schreiben kann. Das nächste Event hat Rheinwerk auch schon in den Startlöchern, die Social Media Marketing Days am 18./19. November in Köln. Hier kann ich aber leider wahrscheinlich nicht dabei sein.

Weitere Recaps

Andere Blogger haben auch coole Recaps zur Veranstaltung veröffentlicht, z.B. hier:

Sebastian Slawik von seo-profession.de

Auf der Seite von Rheinwerk selbst mit einem Zitat von mir ;-)

Mandy Reckert von Bloofusion

Janina und Sarah von Onlineexperience.de

1 Kommentar

  1. Veröffentlich von Rheinwerk Online Marketing Konferenz 2019 - Unser Recap am 5. Juni 2019 um 11:13

    […] von Sacha Heck bei mediengestalter.lu […]



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