Typografie Praxis: 5 Tipps zur Visitenkartengestaltung

[Gastbeitrag von KATJA FREITAG]

In der Standardgröße bieten sie circa 8,5 × 5,5 cm Fläche, wobei der Seitenrand noch abgezogen werden muss. Daher sind Visitenkarten nicht nur für Grafikdesigner, sondern vor allem auch für Typografen eine echte Herausforderung. Nachfolgend fünf grundlegende Tipps zur Typografie für Visitenkarten, die Flyerpilot für uns zusammengefasst hat.

Tipp #1: Informationen reduzieren

Bei Layout und Makrotypographie gilt besonders bei den Visitenkarten die Devise: so viel wie nötig, so wenig wie möglich. Wer es minimalistisch mag, nutzt die sogenannten QR-Codes, die per Smartphone App gescannt werden und den Nutzer auf die Website des Visitenkarteninhabers führt. Dies hat auch den Vorteil, dass Änderungen an Telefonnummern oder Abteilungsbezeichnungen keinen Neudruck der Visitenkarte nötig machen.

Platzsparend ist beispielsweise auch das Weglassen der Zusätze wie „E-Mail“ oder „Web“ bzw. „Internet“ vor den jeweiligen Angaben, da eine URL mühelos von einer E-Mail-Adresse unterschieden werden kann. Auch auf den Zusatz „http://…“ kann verzichtet werden und in internetaffinen Branchen ist selbst das „www. “ nicht zwingend erforderlich. Anders bei der Faxnummer: Diese muss getrennt gekennzeichnet werden, damit Telefon und Fax zu unterscheiden sind. Dies kann beispielsweise durch Piktogramme geschehen oder einfach durch die Bezeichnung „Telefon“ und „Fax“. Platzsparende Makrotypographie sollte jedoch Abkürzungen unbedingt vermeiden. Während sie bei akademischen Graden und Titeln üblich sind, wirken „Tel.“, „…str.“ schreibfaul und hektisch, sprich hingeworfen.

Tipp #2: Informationen im Layout unterbringen

Bei der Wahl der Satzart erweist sich die Orientierung an der Mittelachse als überholt und überdies als unpraktisch. Besser ist links- oder rechtsorientierter Flattersatz, der auch bei mehreren Informationseinheiten und langen Ziffern und Mail-Adressen für gute Lesbarkeit sorgt. Bei Angestellten eines Unternehmens ist es Usus geworden, zwei Satzgruppen zu verwenden. Dabei ist eine Seite für die Person und deren Kontaktdaten und die andere Seite für Logo und Name des Unternehmens vorgesehen.

Orientierung am Raster gehört zu den Punkten, die professionelle Designs von handgedruckten Kärtchen unterscheiden. Die bekannte Einteilung von Drucksachen in 9 gleiche Teile ist zwar für die Visitenkarte zu klein. Dennoch lohnt es sich, die Informationsblöcke zu rastern, um zum Beispiel eine identische Grundlinie für mehrere Informationsblöcke mit Flattertext festzulegen.

Bild 1: Informationsblöcke ohne einheitliches Raster.

Bild 2: Informationsblöcke gerastert.

Tipp #3: Informationen korrekt wiedergeben

Während Mailadressen technisch bedingt auf Umlaute, Akzentzeichen und das Eszett verzichten müssen, sollte ein guter Typograf auf eine korrekte Wiedergabe aller Namen achten. Dies gilt sowohl für den Namen des Karteninhabers als auch für Unternehmens- und Straßennamen. Gerade dann, wenn Visitenkarten für viele Personen eines Unternehmens erstellt werden, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Umlaute und Eszett nötig werden. Daher sollte insbesondere in diesen Fällen darauf geachtet werden, dass die Schriftart einerseits diese Zeichen enthält und dass andererseits die Namen nicht in Versalien bzw. Kapitälchen gesetzt  werden.

Tipp #4: Schriftart und Schriftgröße wählen

Wenn Platzprobleme nicht das Thema sind, ist eine 8 Punkt Schrift ein guter Ausgangspunkt für die Visitenkartengestaltung. Inwieweit man die Schriftgröße auf 7 oder gar 6 Punkt reduzieren kann, hängt von der Schriftart ab. Im Zweifel hat die Lesbarkeit Vorrang.

Aufgrund der geringen Schriftgröße, ist eine schlichte Schriftart erste Wahl. Eine Normalschrift ohne Serifen, oft als Regular bezeichnet, sorgt für gute Lesbarkeit bei kleinen Lettern, Schriftarten mit dem Zusatz Thin oder Light wirken nochmals kleiner, entfalten aber eine edle Wirkung, sofern die Schriftart nicht zu klein gewählt wird. Wenn überhaupt, sollte maximal eine weitere Schriftart eingesetzt werden. Meist wird die zusätzliche Schriftart für das wichtigste Element, den Namen, verwendet, der sich im Übrigen auch größer oder als Fettdruck auf der Visitenkarte absetzen darf.

Bei den Ziffern wird zwischen Versalziffern (Majuskelziffern) und Mediävalziffern (Minuskelziffern) unterschieden. Versalziffern sind in der Regel so hoch, wie die Großbuchstaben (Versalien) einer Schriftart und reichen nach unten hin nicht über die Grundlinie hinaus. Mediävalziffern haben ähnlich den Kleinbuchstaben sogenannte Ober- und Unterlängen, das heißt einerseits, dass einige Ziffern bis unterhalb der Grundlinie reichen und dass andererseits nicht alle Ziffern so hoch wie Großbuchstaben sind. Mediävalziffern werden dann bevorzugt, wenn sie innerhalb vom Fließtext verwendet werden, da sie sich in Größe und Position an Kleinbuchstaben orientieren und sich dadurch besser ins Schriftbild einfügen. Werden Ziffernfolgen wie Telefonnummern nicht von Fließtext umgeben oder bilden sie wie im Fall von Visitenkarten eine eigene Spalte in einer tabellarischen Aufzählung, sind Versalziffern vorzuziehen.

Tipp #5: Typografie versus Verwendungslogik

Bei Nummern wie Telefonnummern, Bankverbindungen etc. konkurrieren einige mikrotypografische Grundsätze mit der Verwendungslogik dieser Zahlenreihen. Typografen lernen, dass beispielsweise Telefonnummern von hinten nach vorn in Zahlenpaare gegliedert werden, wobei die Vorwahl getrennt betrachtet wird:

01 23 / 4 44 45

Die Maxime der Lesbarkeit bzw. die Art, wie die Nummern verwendet werden, könnte hier allerdings auch eine Form nahe legen, die „logischer“ ist und besser der Verwendung entspricht. Schließlich werden Telefonnummern in der Regel nur dann gelesen, wenn Sie gleichzeitig ins Telefon eingetippt werden:

01 23 / 44 44 5

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